In Quy Nhon beginnt der Tag im Wasser. Die Küstenstadt Quy Nhon in Vietnam liegt an einer weiten, halbmondförmigen Bucht. Kurz nach fünf Uhr schwimmen dort schon ältere Männer ihre Runden, während Frauen auf der Promenade turnen. Vom Fischerhafen am Nordende tragen Motoren und Rufe über das flache Wasser. Wenn die Sonne über der Phuong-Mai-Halbinsel aufgeht, färbt sich der Sand kurz orange, dann öffnen die ersten Kaffeestände.
Quy Nhon ist keine Postkartenstadt wie Hoi An und kein Badeort mit Hochhausreihe wie Nha Trang. Vielmehr ist es eine Arbeitsstadt am Meer mit Hafen, Universität und einem Stadtstrand, den vor allem die Einwohner selbst nutzen. Ausländische Gäste bleiben eine Minderheit, deshalb fehlen Souvenirgassen und Touranbieter an jeder Ecke. Wer Cham-Türme, kleine Fischerdörfer und Seafood ohne grosse Inszenierung sucht, findet hier einen guten Halt auf dem Weg durch Zentralvietnam.

Quy Nhon auf einen Blick
- Region: Küste im Süden Zentralvietnams, zwischen Da Nang und Nha Trang; in unserem Blog Teil von Zentralvietnam (Mien Trung)
- Lage: an einer halbmondförmigen Bucht zwischen Phuong-Mai-Halbinsel und Ghenh-Rang-Hügel; Flughafen Phu Cat rund 30 Kilometer nordwestlich, Bahnhof Dieu Tri rund zehn Kilometer westlich
- Bekannt für: Stadtstrand und Bucht, Ky-Co-Strand und Eo Gio, Cham-Türme Thap Doi und Banh It, Fischerdorf Bai Xep, Seafood und Banh Xeo Tom Nhay
- Ideale Reisedauer: zwei bis drei Nächte; mit Ausflug zu Ganh Da Dia und Dai Lanh vier
- Beste Reisezeit: Februar bis August; ruhige See und viel Sonne vor allem von März bis Juni
- Geeignet für: Reisende abseits der Hauptroute, ruhige Strandfans, Kulturinteressierte, Food-Liebhaber und Rollerfahrer
Quy Nhon liegt an einem Küstenabschnitt Vietnams mit ausgeprägter Regenzeit im Herbst. Von Februar bis August bleibt es meist trocken, wobei Juni bis August sehr heiss werden. Ab September nimmt der Regen zu. Zwischen Oktober und Dezember drohen Taifune und tagelange Regenfälle, die See wird rau, und auch der Januar bleibt oft windig. Ins Gepäck gehören deshalb Sonnenschutz, ein leichter Regenschutz und vor Bootstouren ein Blick auf den Wetterbericht.
Warum lohnt sich Quy Nhon in Vietnam?
Quy Nhon verbindet einen langen Stadtstrand mit einem Alltag, wie ihn Vietnam an vielen Küstenorten längst verloren hat. Am Morgen schwimmst du mit Einheimischen in der Bucht, am Vormittag stehst du fast allein vor einem Cham-Turm. Am Abend sitzt du dann auf Plastikhockern vor gegrilltem Tintenfisch. Die Wege sind kurz, der Verkehr ist gemächlicher als in Da Nang, und Zimmer wie Mahlzeiten kosten spürbar weniger.
Die Anreise ist allerdings lang, denn von Hoi An oder Nha Trang brauchst du mit Bus oder Zug einen halben Tag. Ausserdem ist die Stadt eher zweckmässig gebaut, und entlang der Küste wachsen Resortzonen, die an manchen Tagen halb leer wirken. An Wochenenden und Feiertagen reisen viele Gäste aus dem eigenen Land an, dann füllen sich Ky Co und Eo Gio. Persönlicher zeigt sich Quy Nhon an Werktagen, frühmorgens am Strand, beim Fischerhafen und in den Dörfern im Süden.
Die schönsten Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse in Quy Nhon
Stadtstrand und Bucht von Quy Nhon
Der Stadtstrand zieht sich in einem weiten Bogen entlang der Xuan-Dieu-Promenade. Am Morgen gehört er den Einwohnern: Sie schwimmen, joggen, spielen Federball, und Fischer paddeln in runden Korbbooten hinaus. Tagsüber liegt der Sand meist leer in der Hitze, weil Schatten fehlt. Gegen Abend füllt sich die Promenade wieder, Familien picknicken auf Matten, und die Seafood-Garküchen stellen ihre Tische auf.
Am Nordende der Bucht liegt der Fischerhafen mit seinem frühen Markt, am Südende beginnt der bewaldete Ghenh-Rang-Hügel. Vom Hafen führt zudem die lange Thi-Nai-Brücke über die Lagune zur Phuong-Mai-Halbinsel.
Ky-Co-Strand und Eo Gio: schön, aber am Wochenende voll
Auf der Phuong-Mai-Halbinsel, rund 20 Kilometer nördlich der Stadt, liegen die zwei bekanntesten Ausflugsziele. Eo Gio, der Windpass, ist eine Felsküste beim Fischerdorf Nhon Ly, an der ein Steinweg über den Klippen entlangführt. Der Ky-Co-Strand versteckt sich dahinter in einer engen Bucht mit klarem, türkisfarbenem Wasser und hellem Sand. Du erreichst ihn per Motorboot ab Nhon Ly oder über eine steile Strasse, auf der Geländewagen die Besucher hinunterfahren.
Beide Orte sind stark bewirtschaftet: Eintrittsbereiche, Fotopunkte, Lautsprecher und Liegestuhlreihen prägen das Bild. An Wochenenden und Feiertagen kommen zudem Reisegruppen aus ganz Vietnam nach Quy Nhon und schieben sich über den Klippenweg. Komm deshalb an einem Werktag früh am Morgen, dann hast du am Ky-Co-Strand ein bis zwei Stunden Platz. Bei rauer See fahren die Boote nicht, prüfe das Wetter also vorher.
Cham-Türme Thap Doi und Banh It
Lange bevor Quy Nhon eine vietnamesische Stadt wurde, lag hier ein Kernland des Champa-Reichs. Davon zeugen die Zwillingstürme Thap Doi, die heute in einem kleinen Park zwischen Wohnhäusern stehen. Ihre Ziegelbauten aus dem zwölften und dreizehnten Jahrhundert tragen an den Ecken Garuda-Figuren und zeigen deutliche Einflüsse der Khmer. Ein Besuch dauert eine halbe Stunde.
Eindrücklicher ist Banh It, eine Gruppe von vier Türmen auf einem Hügel rund 20 Kilometer nordwestlich der Stadt. Von oben blickst du über Reisfelder, Flussarme und Dörfer, besonders schön im weichen Licht des späten Nachmittags. Im Hauptturm steht allerdings noch ein Altar, den Gläubige nutzen: Zieh die Schuhe aus, sprich leise und fotografiere zurückhaltend.

Quy-Hoa-Strand: Leprakolonie, Dichter und eine offene Zukunft
Hinter dem Ghenh-Rang-Hügel, südlich der Stadt, liegt der Quy-Hoa-Strand in einem stillen Tal voller Kasuarinen. Hier gründeten französische Geistliche 1929 eine Leprakolonie, die bis heute als Dorf mit Spital besteht. Der Dichter Han Mac Tu, ein zentraler Lyriker der vietnamesischen Moderne, starb hier 1940 mit nur 28 Jahren an Lepra. Sein Grab liegt oben auf dem Hügel, sein karges Zimmer im Dorf erinnert an die letzten Monate.
Niedrige Häuser, ein Skulpturengarten mit Ärztebüsten und ein fast leerer Strand machen Quy Hoa zu einem besonderen Ort. Hier leben und arbeiten Menschen, es ist keine Kulisse. Zudem ist die Zukunft offen: Ein grosses Resortprojekt soll das Gelände überbauen, die Bewohner dann ins Hinterland umziehen. Wer Quy Hoa in seiner heutigen Form sehen will, sollte deshalb nicht zu lange warten.
Bai Xep: ein Fischerdorf in der Bucht
Rund 13 Kilometer südlich der Stadt führt eine schmale Gasse von der Küstenstrasse hinunter nach Bai Xep. Das Dorf besteht aus wenigen Häuserreihen, einem kurzen Strand und Dutzenden blauer Boote. Vor rund zehn Jahren entdeckten Rucksackreisende die Bucht, seither gibt es ein paar Homestays und abends Tische am Wasser. Trotzdem blieb Bai Xep ein Arbeitsort: Frauen flicken Netze, Kinder spielen zwischen Fischgestellen, und um fünf Uhr knattern die Motoren. Frag, bevor du fotografierst, und nimm deinen Abfall wieder mit, denn Müllabfuhr gibt es hier kaum.

Aktivitäten in Quy Nhon
Mit dem Roller die Küstenstrasse nach Süden
Südlich von Quy Nhon windet sich die Küstenstrasse über Pässe und Buchten bis Song Cau mit seinen Hummerfarmen. Immer wieder öffnen sich Blicke auf leere Strände, Fischerdörfer und Felsküsten. In den Dörfern kannst du Kaffee trinken oder frisch gegrillte Meeresfrüchte essen. Die Strecke ist kurvig, Lastwagen fahren zügig, und nach Regen wird der Asphalt glatt. Fahre nur mit Helm und Fahrpraxis, oder miete einen Fahrer, der dich auf dem Sozius mitnimmt.
Tagesausflug zu Ganh Da Dia und zum Leuchtturm Dai Lanh
Weiter südlich reiht Vietnams Küste zwei Naturorte auf, die du von Quy Nhon aus als langen Tagesausflug erreichst. Ganh Da Dia, die Klippe der Steinteller, liegt gut zwei Stunden entfernt und besteht aus tausenden sechseckiger Basaltsäulen erkalteter Lava. Rund eineinhalb Stunden weiter steht der Leuchtturm Dai Lanh aus französischer Zeit auf einem der östlichsten Kaps des Festlands. Für den Sonnenaufgang übernachtest du in Tuy Hoa oder am Kap. Nimm für diesen Tag einen Fahrer, denn die Strecke ist weit und die Sonne stark.
Essen in Quy Nhon
Die Küche von Quy Nhon ist einfacher und salziger als in vielen anderen Regionen Vietnams, dafür sehr nah am Meer. Vieles kommt von den Booten der Bucht oder aus der Thi-Nai-Lagune, dazu Reisfladen, fermentierte Saucen und frisches Grün. Du isst auf niedrigen Hockern am Strassenrand oder in Familienlokalen, die seit Jahrzehnten nur ein oder zwei Gerichte kochen.
Das bekannteste Gericht ist Banh Xeo Tom Nhay, kleine knusprige Reispfannkuchen mit Crevetten. Die Crevetten kommen lebend in die heisse Pfanne und springen dort kurz, daher der Name. Du wickelst den Fladen mit Kräutern, Sojasprossen und Streifen grüner Mango in Reispapier und tunkst ihn in eine süss-saure Sauce. Bun Cha Ca, eine Nudelsuppe mit gebratenen und gedämpften Fischküchlein in klarer Brühe aus Fischknochen, essen viele Einwohner zum Frühstück. Dazu gehört eine kräftige Chilipaste.
Banh Hoi Long Heo sind hauchdünne, zu Matten gewobene Reisnudeln mit Zwiebelöl, dazu gekochte Schweineinnereien, Kräuter und eine Schale Reisbrei. Nem Cho Huyen sind kleine Röllchen aus fermentiertem Schweinefleisch mit Knoblauch und Pfeffer, die du roh oder gegrillt bekommst. Am Strand wählst du dagegen Tintenfisch, Jakobsmuscheln mit Zwiebelöl und Erdnüssen oder Krabben direkt aus den Becken. Klär den Preis vor der Bestellung, denn die Tafel zeigt oft nur den Kilopreis.
Als Süsses gehört Banh It La Gai dazu, ein dunkelgrüner Klebreiskuchen mit Mungbohnen- und Kokosfüllung. Der Saft der Ramieblätter färbt den Teig, und Verkäuferinnen falten die kleinen Pyramiden in Bananenblätter. Dazu passt ein Glas Bau Da, der kräftige Reisschnaps aus dem Hinterland, oder ein Eiskaffee mit Kondensmilch an der Promenade.
Fazit: Lohnt sich Quy Nhon?
Ja, Quy Nhon lohnt sich für Reisende, die Vietnam abseits der Hauptroute sehen wollen und die lange Anreise akzeptieren. Zwei bis drei Nächte reichen für Stadtstrand, Cham-Türme, Quy Hoa und Ky Co. Für Ganh Da Dia und Dai Lanh bleibst du eine Nacht länger. Am stärksten bleibt nicht ein einzelner Ort in Erinnerung, sondern die Ruhe. Der leere Strand am Morgen, die Boote in Bai Xep und der Blick vom Hügel auf eine Bucht, die noch den Einwohnern gehört.
