Ninh Binh Vietnam: Zwischen Karstfelsen, Reisfeldern und Ruderbooten

In Tam Coc beginnt der Tag mit dem Klappern von Rudern. Nebel hängt noch zwischen den Kalksteinfelsen, hinter den Häusern krähen Hähne. Auf dem Ngo-Dong-Fluss schieben sich inzwischen die ersten Boote Richtung Höhlen. Wer Ninh Binh Vietnam auf der Karte sucht, landet gut zwei Stunden südlich von Hanoi. Dort liegt eine Landschaft aus Fels, Wasser und Reis, die viele Reisende die „trockene Halong-Bucht“ nennen.

Ninh Binh ist dabei keine Stadt zum Flanieren, sondern eine Region. Die eigentliche Stadt ist vielmehr ein Verkehrsknoten mit Bahnhof. Das Reiseleben spielt sich in den Dörfern rund um Tam Coc und Trang An ab. Anders als in der Halong-Bucht bewegst du dich hier auf Flüssen zwischen Reisfeldern, mit dem Velo und zu Fuss. Das macht Ninh Binh zu einem der ruhigeren Ziele im Norden von Vietnam.

Ruderboote zwischen Reisfeldern und Kalksteinfelsen in Ninh Binh
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Ninh Binh auf einen Blick

  • Region: Norden Vietnams, am Südrand des Deltas des Roten Flusses; in unserem Blog Teil von Nordvietnam (Mien Bac)
  • Lage: gut 90 Kilometer südlich von Hanoi; Kalksteinberge, Flüsse und Reisfelder rund um die Dörfer Tam Coc und Trang An
  • Bekannt für: Bootsfahrten in Trang An und Tam Coc, Aussicht vom Hang Mua, alte Hauptstadt Hoa Lu, Bai-Dinh-Pagode und Ziegenfleisch
  • Ideale Reisedauer: zwei bis drei Nächte
  • Beste Reisezeit: Ende Mai bis Anfang Juni für goldene Reisfelder; September bis November für mildes, trockeneres Wetter
  • Geeignet für: Naturfans, Velofahrende, Fotografierende, Familien und Reisende, die nach Hanoi Ruhe suchen

Ninh Binh kennt wie Hanoi vier Jahreszeiten. Von Dezember bis Februar ist es kühl, oft grau und feucht; dann gehören Pullover und Jacke ins Gepäck. März und April sind mild, aber neblig; von Mai bis August wird es heiss und schwül, mit Gewittern am Nachmittag. Zwischen Juli und Oktober bringen Ausläufer von Taifunen zudem Dauerregen und manchmal Hochwasser. September bis November gelten als angenehmste Monate. Sonnenschutz, Regenjacke und feste Schuhe brauchst du zu jeder Jahreszeit.

Warum lohnt sich Ninh Binh in Vietnam?

Ninh Binh zeigt auf engem Raum, wofür viele Reisende nach Vietnam kommen. Kalksteinfelsen ragen aus flachen Reisfeldern, Flüsse verschwinden in Höhlen und tauchen hinter dem nächsten Berg wieder auf. Am Morgen sitzt du in einem Ruderboot, mittags steigst du auf einen Aussichtspunkt. Danach fährst du am Abend mit dem Velo zwischen Enten und Wasserbüffeln zurück zur Unterkunft. Die Distanzen sind kurz, die Dörfer ruhig, und gerade nach dem Verkehr von Hanoi tut diese Ruhe gut.

Ganz für dich hast du die Region allerdings selten. Zwischen spätem Vormittag und frühem Nachmittag füllen Tagesgäste aus Hanoi die Boote und die Stufen am Hang Mua. Persönlicher wird Ninh Binh, wenn du zwei oder drei Nächte in einem Homestay bei Tam Coc bleibst und früh startest. Mehr zur Anreise von Hanoi findest du in unserem Guide zu Nordvietnam.

Die schönsten Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse in Ninh Binh

Trang An: Mit dem Ruderboot durch Höhlen und Tempel

Trang An bei Ninh Binh ist seit 2014 UNESCO-Welterbe, als erste Stätte in Vietnam für Natur und Kultur zugleich. Frauen aus den Dörfern rudern kleine Boote mit bis zu vier Gästen durch niedrige Höhlen und zu Tempeln am Ufer. Drei Routen stehen zur Wahl: Die erste führt durch die meisten Höhlen, die zweite ist kürzer und ruhiger. Die dritte passiert die Insel, auf der Szenen von „Kong: Skull Island“ entstanden. Die Filmkulissen verschwanden 2019, die Landschaft bleibt.

Im Vergleich zu Tam Coc wirkt Trang An geordneter. Der Betreiber teilt die Ruderinnen nach Plan ein, und Händler auf dem Wasser gibt es kaum. Dafür teilst du dir die Höhlen in der Hochsaison mit vielen Booten. Komm gleich am Morgen oder erst am späteren Nachmittag. Zieh in den niedrigen Passagen den Kopf ein. Zwei bis drei Stunden solltest du für die Fahrt einplanen.

Tam Coc: Fussruderer und goldene Reisfelder auf dem Ngo-Dong-Fluss

Tam Coc bedeutet „drei Höhlen“. Auf dem Ngo-Dong-Fluss rudern die Einheimischen ihre Sampans mit den Füssen. Das Boot gleitet dabei zwischen Reisfeldern und Felswänden durch drei niedrige Höhlen. Meist sitzen nur zwei Reisende in einem Boot, und die Fahrt dauert etwa anderthalb Stunden. Ende Mai und Anfang Juni leuchten die Felder gelb, dann ist es am vollsten.

Tam Coc ist die ältere und kommerziellere der beiden Bootsfahrten. Ab dem späten Vormittag stauen sich die Boote vor der ersten Höhle. Verkäuferinnen rudern heran und bitten dich, ein Getränk für deine Ruderin zu kaufen. Am Ende erwartet dich die Frage nach Trinkgeld. Ein Trinkgeld ist angemessen; lege die Höhe aber vor dem Einsteigen fest und lass dich nicht drängen.

Hang Mua: Aussicht über das Tal nach rund 500 Stufen

Aussicht vom Hang Mua über den Ngo-Dong-Fluss und die Karstlandschaft von Ninh Binh
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Die Mua-Höhle (Hang Mua) ist weniger wegen der Höhle als wegen des Bergs darüber bekannt. Rund 500 steile Steinstufen führen auf einen Grat mit einer Drachenskulptur und einer kleinen Quan-Am-Statue. Von oben siehst du die Schleifen des Ngo-Dong-Flusses, die Boote von Tam Coc und im Sommer einen Lotusteich. Das bekannteste Foto aus Ninh Binh entsteht genau hier: Karstlandschaft, Fluss und Reis, wie viele sich Vietnam vorstellen.

Der Aufstieg dauert nur zwanzig bis dreissig Minuten, ist bei Hitze aber anstrengend, und nach Regen sind die Stufen rutschig. Ab dem Vormittag bilden sich zudem Schlangen vor dem Drachen, weil alle dasselbe Bild wollen. Steh früh auf oder komm für das weiche Licht am späten Nachmittag. Feste Schuhe und Wasser gehören mit; die Anlage ist privat geführt und mit Fotokulissen ausgebaut, was nicht allen gefällt.

Hoa Lu und die Bai-Dinh-Pagode: Alte Hauptstadt, neue Grösse

Hoa Lu war im 10. Jahrhundert die Hauptstadt des jungen vietnamesischen Reichs, bevor der Hof nach Hanoi zog. Von der Zitadelle blieben wenige Mauerreste, die beiden Tempel für die Könige Dinh Tien Hoang und Le Dai Hanh stehen aber noch. Geschnitzte Balken, Ahnenaltäre und alte Bäume vor der Karstkulisse machen den Besuch ruhig und angenehm.

Ganz anders die Bai-Dinh-Pagode (Chua Bai Dinh) ein paar Kilometer weiter. Seit 2003 entstand hier eine riesige Anlage mit Hallen, einem hohen Turm, einer grossen Bronzestatue und langen Gängen voller Arhat-Figuren. Elektrowagen bringen dich vom Parkplatz zum Eingang; an Festtagen drängen sich Pilgergruppen. Vieles ist neu, gross und inszeniert, eher Pilgerzentrum als stiller Tempel; die alte Höhlenpagode am Hang zeigt dagegen, wie der Ort vor dem Ausbau aussah. Zieh dich bedeckt an und bleib in den Gebetsräumen leise.

Bich-Dong-Pagode und das Feuchtgebiet Van Long

Die Bich-Dong-Pagode liegt wenige Kilometer von Tam Coc entfernt am Fuss eines Felsens. Über eine Steinbrücke und einen Lotusteich erreichst du drei Ebenen: die untere im Hof, die mittlere in einer Höhle, die obere hoch im Fels mit Blick über die Reisfelder. Am frühen Morgen hörst du dort oft nur Vögel und das Kratzen der Besen.

Das Feuchtgebiet Van Long (Dam Van Long) im Norden der Region bietet die stillste Bootsfahrt. Eine Ruderin bringt dich in einem flachen Bambusboot über klares Wasser zwischen Schilf und Felsen, ohne Motor und meist ohne andere Boote in Sicht. Hier lebt die grösste Gruppe der Delacour-Languren, einer nur in Vietnam vorkommenden und stark bedrohten Affenart; am späten Nachmittag klettern sie oft an den Felswänden. Nimm ein Fernglas mit; Sichtungen sind allerdings nie garantiert.

Aktivitäten in Ninh Binh

Mit dem Velo durch die Reisfelder

Velofahrende auf einem Weg durch Reisfelder bei Tam Coc in Ninh Binh
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Fast jede Unterkunft in Tam Coc verleiht Velos, und die schmalen Betonwege zwischen den Feldern sind dafür ideal. Fahr am frühen Morgen oder am späten Nachmittag, wenn die Hitze nachlässt, zur Bich-Dong-Pagode, zum Vogelpark Thung Nham oder einfach von Dorf zu Dorf. Unterwegs begegnest du Wasserbüffeln, Enten und Bauern, die je nach Jahreszeit pflanzen oder ernten. Auf den Hauptstrassen fahren Lastwagen und Reisebusse schnell; halte dich dort am Rand und wähle lieber die kleinen Wege.

Wanderung im Cuc-Phuong-Nationalpark

Gut eine Autostunde westlich liegt der Cuc-Phuong-Nationalpark, der älteste Nationalpark Vietnams. Wege führen durch dichten Regenwald zu Höhlen mit prähistorischen Funden und zu Bäumen, die rund tausend Jahre alt sein sollen. Besuch zudem das Rettungszentrum für bedrohte Primaten, wo Pflegerinnen und Pfleger Languren und Gibbons aus dem illegalen Handel versorgen. Im April und Mai schwirren Tausende Schmetterlinge über den Pfaden, und in feuchten Nächten leuchten Glühwürmchen. Für längere Routen lohnt sich ein Guide; nach Regen schützen ausserdem lange Hosen vor Blutegeln.

Essen in Ninh Binh

Die Küche von Ninh Binh ist bodenständig und eng mit der Karstlandschaft verbunden. Auf den Kalksteinbergen weiden Ziegen, in Flüssen und Feldern leben Aale, Schnecken und Fische, und der Reis wächst direkt vor der Haustür. Viele Gerichte sind einfach, aber kräftig gewürzt mit Zitronengras, Ingwer, Chili und frischen Kräutern.

Das bekannteste Gericht ist Ziegenfleisch (Thit De), mager und würzig, in vielen Varianten. Als De Tai Chanh kommt es dünn geschnitten, kurz gegart und mit Limette, Sesam und Zitronengras vermischt auf den Tisch. Dazu gibt es Kräuter, Feigenblätter und eine fermentierte Sojasauce zum Tunken. Fast immer bestellst du Com Chay dazu, eine knusprig frittierte Reiskruste, über die eine Sauce aus Fleisch, Innereien, Pilzen und Frühlingszwiebeln kommt.

Mien Luon sind Glasnudeln mit Aal, entweder in klarer Brühe mit weichem Aal und Bananenblüte oder trocken mit knusprig frittierten Aalstücken. Nem Chua Yen Mac ist fermentiertes Schweinefleisch mit geröstetem Reismehl, in Blätter gewickelt und leicht säuerlich. In der Regenzeit kommen Bergschnecken (Oc Nui) dazu, gedämpft mit Zitronengras und Limettenblättern und mit einem Dip aus Fischsauce, Ingwer und Chili.

Du isst in einfachen Ziegenlokalen an den Landstrassen, abends im Homestay und morgens auf dem Markt, wo die Nudelsuppen dampfen. Frag nach dem Preis, bevor du bestellst, vor allem bei Ziege und Schnecken nach Gewicht. Zum Fleisch trinken Einheimische Ruou Kim Son, einen starken, klaren Reisschnaps; ein kleines Glas reicht. Ruhiger endet der Tag mit einem Ca Phe Sua Da, Kaffee mit gesüsster Kondensmilch auf Eis, im Schatten der Felsen.

Fazit: Lohnt sich Ninh Binh?

Ja, Ninh Binh in Vietnam lohnt sich für Reisende, die Landschaft langsam erleben wollen, vom Boot, vom Velo und von oben. Zwei bis drei Nächte in einem Homestay bei Tam Coc oder Trang An reichen für beide Bootsfahrten, Hang Mua, Hoa Lu und einen stillen Abstecher nach Van Long. Am stärksten bleibt nicht eine einzelne Sehenswürdigkeit in Erinnerung, sondern der Moment, in dem das Boot in eine Höhle gleitet. Es wird dunkel und kühl, Wasser tropft von der Decke, dahinter öffnet sich dann wieder ein Tal aus Reis und Fels.