Um sechs Uhr morgens gehört Hoi An, die alte Hafenstadt in Vietnam, noch den Menschen, die hier wohnen. Frauen mit Tragestangen bringen Kräuter zum Markt, und Besen kratzen über den Belag. Aus den Holzhäusern riecht es nach Kaffee und Räucherwerk. Über dem Thu-Bon-Fluss hängt Dunst, während das erste Licht die gelben Fassaden erwärmt.
Hoi An ist keine Grossstadt und kein Badeort, sondern eine frühere Handelsstadt nahe der Flussmündung. Ihre Altstadt gehört seit 1999 zum UNESCO-Welterbe. Verglichen mit Hanoi oder Saigon ist es hier ruhig; fast alles erreichst du zu Fuss oder mit dem Velo. Gleichzeitig ist Hoi An eine der meistbesuchten Städte in Vietnam, mit Souvenirläden, Schneidereien und Tagesgästen aus Da Nang. Der Ort passt zu Reisenden, die Geschichte, Essen, Reisfelder und ein paar Strandstunden verbinden wollen.

Hoi An auf einen Blick
- Region: Küste Zentralvietnams, südlich von Da Nang; in unserem Blog Teil von Zentralvietnam (Mien Trung)
- Lage: nahe der Mündung des Thu-Bon-Flusses, wenige Kilometer vom Meer und rund 30 Kilometer oder 45 Fahrminuten südlich von Da Nang und seinem Flughafen
- Bekannt für: UNESCO-Altstadt, Japanische Brücke, Lampions, Schneidereien, Cao Lau und Reisfelder bis zum Meer
- Ideale Reisedauer: drei bis vier Nächte
- Beste Reisezeit: Februar bis Mai; für Strandtage auch Juni bis August
- Geeignet für: Geschichtsinteressierte, Geniesser, Velofahrer, Paare, Familien und Reisende, die Vietnam gemächlich erleben möchten
Wie überall in Vietnam prägt der Monsun das Klima in Hoi An. Von Januar bis August bleibt es meist trocken; Februar bis April sind angenehm warm, Juni und Juli dagegen sehr heiss. Ab September nimmt der Regen zu, und zwischen Oktober und Dezember drücken Taifune den Thu-Bon-Fluss über die Ufer. Dann stehen die Gassen am Fluss unter Wasser, Ende Oktober 2025 sogar höher als beim Rekord von 1964. Ins Gepäck gehören deshalb Sonnenschutz und leichte Kleidung, in den Regenmonaten zudem Regenjacke und Sandalen.
Warum lohnt sich Hoi An in Vietnam?
In Hoi An liegt alles nah beieinander. Am Morgen stehst du in einem Handelshaus vor Holzsäulen und Hochwassermarken, am Mittag isst du Cao Lau am Markt. Am Nachmittag trägt dich das Velo durch Reisfelder ans Meer. Abends spiegeln sich hunderte Laternen im Thu-Bon-Fluss, während Fischerboote heimkehren. Dazu kommen Schneidereien, die in zwei Tagen einen Anzug nähen.
Hoi An lebt vom Tourismus wie kaum ein anderer Ort in Vietnam. Ab dem späten Nachmittag schieben sich Reisegruppen über die Brücke nach An Hoi, und Bootsfrauen rufen nach Kundschaft. Nicht jede Schneiderei hält, was das Schaufenster verspricht; Stoff, Preis und Anproben klärst du deshalb vorher. Persönlicher zeigt sich der Ort früh am Morgen, in den Gassen abseits des Ufers und auf dem Zentralmarkt. Auf den Inseln Cam Nam und Cam Kim bauen Handwerker zudem noch Boote.
Die schönsten Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse in Hoi An
UNESCO-Altstadt und Altstadt-Ticket
Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert legten Schiffe aus Japan, China, Indien und Europa am Thu-Bon-Fluss an. Händler blieben, bauten Häuser, Tempel und Versammlungshallen und heirateten in vietnamesische Familien. Als der Fluss versandete, übernahm Da Nang den Hafen, und die Stadt fiel in einen langen Schlaf. Deshalb stehen in Hoi An heute noch über tausend historische Bauten dicht beieinander, wie sonst nirgends in Vietnam.
Für die Altstadt gibt es ein Ticket, das du an Schaltern an den Zugangsstrassen kaufst. Es enthält fünf Abschnitte für fünf von gut zwanzig Häusern, Hallen und Museen. Auf der Strasse kontrolliert kaum jemand, an den Türen dagegen konsequent. Nimm das Ticket deshalb immer mit und nutze die Abschnitte möglichst an einem Tag.
Japanische Brücke (Chua Cau)
Die überdachte Holzbrücke am Westrand der Altstadt ist das Wahrzeichen von Hoi An. Japanische Kaufleute bauten sie um 1600 als Verbindung zum chinesischen Quartier. Später kam ein kleiner Tempel dazu, der ihr den vietnamesischen Namen Chua Cau gab.
Bis Sommer 2024 zerlegten Restauratoren die Brücke Balken für Balken und setzten rund sechzig Prozent des alten Holzes wieder ein. Seit der Wiedereröffnung im August 2024 sorgt der helle Anstrich für Diskussionen; Regen und Sonne sollen ihn mit der Zeit dämpfen. Der Gang über die Brücke kostet einen Ticketabschnitt, von aussen siehst du sie jederzeit. Komm früh, bevor die ersten Gruppen für Fotos anstehen.

Alte Handelshäuser und chinesische Versammlungshallen
Hinter schmalen Fassaden öffnen sich die Handelshäuser überraschend tief. Vorne liegt der Laden, dahinter Innenhof, Wohnräume und der Zugang zum Fluss. Das Tan-Ky-Haus, seit sieben Generationen in Familienbesitz, verbindet japanische, chinesische und vietnamesische Bauweise. Im Phung-Hung-Haus zeigen dir die Bewohner, wie sie Möbel bei steigendem Wasser durch eine Luke ins Obergeschoss ziehen.
Die chinesischen Gemeinschaften bauten ihre Versammlungshallen als Tempel, Treffpunkt und Vereinshaus. Am grössten ist die Halle der Fujian-Gemeinde (Hoi Quan Phuc Kien). Dort findest du Drachen aus Keramikscherben, einen Altar für die Meeresgöttin Thien Hau und wochenlang brennende Räucherspiralen. Zwei Häuser und zwei Hallen reichen für einen Tag. Verhalte dich ruhig, bedecke die Schultern und fotografiere Betende nicht von vorne.
Lampions, Vollmondfest und Laternenboote
Kaum ein Bild steht so für Vietnam wie die Laternen von Hoi An. Sobald es dunkel wird, leuchten Seidenlampions über den Gassen, und am Ufer warten Boote mit Kerzenlaternen. Am vierzehnten Tag jedes Mondmonats feiert die Stadt das Vollmond-Laternenfest. Die Strassenbeleuchtung bleibt aus, in Innenhöfen spielen Musiker, und tausende Papierlaternen treiben auf dem Fluss. Das heutige Fest entstand Ende der 1990er-Jahre als Tourismusidee und greift ältere Bräuche auf.
So schön das Bild ist, so voll ist die Wirklichkeit. Die Boote fahren dicht an dicht, und eine Fahrt dauert nur wenige Minuten. Die Kerzenlaternen landen danach als Abfall im Fluss. Wer trotzdem aufs Wasser will, klärt den Preis vorher und wählt einen normalen Wochentag statt der Vollmondnacht. Oder du schaust in einer Werkstatt zu, wie jemand Seide über ein Bambusgerüst spannt.
Tra-Que-Gemüsedorf und die Korbboote von Cam Thanh
Zwischen Altstadt und Meer liegt das Gemüsedorf Tra Que, das seit Jahrhunderten die Küche der Stadt mit Kräutern versorgt. Auf schmalen Beeten wachsen Basilikum, Minze und Perilla. Die Bauern düngen mit Algen aus dem Fluss und giessen mit zwei Kannen an der Tragestange. Früh am Morgen siehst du sie bei der Arbeit. Ein kleines Eintrittsticket ist üblich, und viele Kochkurse beginnen hier mit dem Pflücken der Kräuter.
Südöstlich davon paddeln Bootsleute im Kokoswald von Cam Thanh (Rung Dua Bay Mau) Gäste in runden Korbbooten durch die Nipapalmen. Was einst ein Versteck für Fischer und Widerstandskämpfer war, ist heute ein lauter Vergnügungsbetrieb. Aus Lautsprechern dröhnt Musik, Bootsführer lassen ihre Körbe kreiseln und erwarten Trinkgeld. Wer die Kanäle ruhig erleben will, kommt nach Sonnenaufgang und bittet um eine Fahrt ohne Musik.
Aktivitäten in Hoi An
Mit dem Velo durch die Reisfelder an den An-Bang-Strand
Fast jede Unterkunft leiht Velos aus, und nach wenigen Minuten rollst du zwischen Reisfeldern, Wasserbüffeln und Familiengräbern Richtung Küste. Der An-Bang-Strand war lange das übliche Ziel mit einfachen Strandbars. Im Herbst 2025 haben Stürme aber weite Teile der Küste abgetragen und Bars weggerissen. Frag deshalb vor Ort, wo Baden gerade möglich ist, und beachte die Flaggen der Rettungsschwimmer. Vor allem von September bis Februar ziehen starke Strömungen. Auf den Landstrassen halten Lastwagen und Roller wenig Abstand, fahre also defensiv.

Ausflug zu den Cham-Tempeln von My Son
Rund vierzig Kilometer landeinwärts liegen die Tempelruinen von My Son in einem grünen Talkessel. Zwischen dem 4. und 13. Jahrhundert bauten die Könige des Champa-Reichs hier Backsteintürme für den Gott Shiva. Bomben zerstörten 1969 einen Teil, doch Restauratoren haben mehrere Gruppen wieder aufgerichtet. Fahre mit der ersten Tour los, denn ab dem späten Vormittag brennt die Sonne auf die Ziegel. Ein Guide lohnt sich, weil die Anlage ohne Erklärung nur aus Mauern besteht. Bleib auf den Wegen und klettere nicht auf die Türme.
Essen in Hoi An
Hoi An liegt in der Mitte von Vietnam: Die Küche ist würziger und sparsamer mit Brühe als jene des Nordens. Zudem hat die Stadt Gerichte, die man auswärts kaum findet: Brunnenwasser, Kräuter aus Tra Que und Familienrezepte machen den Unterschied. Am besten isst du dort, wo eine Küche nur zwei oder drei Dinge serviert.
Cao Lau ist das Gericht der Stadt: dicke, leicht bräunliche Reisnudeln mit Biss. Der Legende nach gelingen sie nur mit Wasser aus dem Ba-Le-Brunnen und Lauge aus Holzasche der Cham-Inseln. Dazu kommen dünne Scheiben marinierten Schweinefleischs, knusprige Teigstücke, Sojasprossen, viel Kraut und ein Löffel Sauce. Mi Quang aus der Umgebung besteht aus gelben Kurkumanudeln, wenig Brühe, Crevetten oder Schweinefleisch, Erdnüssen und einem Sesam-Reiscracker.
Die Weisse Rose (Banh Bao Vac) besteht aus zarten Reisteigtaschen mit Crevettenfüllung, zu Blüten gefaltet und mit Röstzwiebeln bestreut. Eine einzige Familie beliefert damit fast alle Lokale der Stadt. Com Ga kommt mit gelbem, in Brühe gekochtem Reis, zerpflücktem Poulet, Zwiebeln, Rau Ram und eingelegter Papaya. Das Banh Mi von Hoi An hat einen eigenen Ruf: knuspriges Brot, hausgemachte Pâté, Kräuter und eine Sauce, für die vor manchen Ständen Schlangen stehen.
Die lebendigste Esskultur findest du auf dem Zentralmarkt am Fluss, wo Garküchen ab dem Morgen Nudeln und Reis servieren. Auf der Cam-Nam-Insel gibt es Banh Dap, geklopftes Reispapier mit gebratenen Muscheln; der Nachtmarkt in An Hoi ist dagegen eher Kulisse. Zum Kaffee gehört hier ein Innenhof, klassisch mit Kondensmilch auf Eis oder als Kokoskaffee. Typisch ist zudem Nuoc Mot, ein Kräutertee aus Zitronengras, Lotus, Ingwer und Zimt, den du eisgekühlt bekommst. Als Dessert passt Che Bap, eine süsse Maissuppe mit Kokosmilch aus Mais der Cam-Nam-Insel.
Fazit: Lohnt sich Hoi An?
Ja, Hoi An lohnt sich für Reisende, die in Vietnam Geschichte zum Anfassen, gutes Essen und langsame Tage mit dem Velo suchen. Drei bis vier Nächte reichen für die Altstadt, einen Strandtag, Tra Que und den Ausflug nach My Son; in der Regenzeit planst du besser einen Puffertag ein. Am stärksten bleibt nicht die Laternenkulisse in Erinnerung, sondern der Morgen. Dann liegt Licht auf den gelben Wänden, und die Stadt gehört für ein paar Stunden sich selbst.
