Kurz nach sechs hängt Nebel in den Tälern hinter Ha Giang, auf der Passstrasse knattern die ersten Motorräder bergauf. Der Ha Giang Loop beginnt genau hier, in einer kleinen Stadt am Lo-Fluss. Danach führt er in drei bis vier Tagen hinauf ins Dong-Van-Karstplateau bis an die Grenze zu China. Ein Hahn kräht aus einem Lehmhof, Kinder in bestickten Jacken laufen zur Schule. Über den grauen Felsspitzen wird das Licht langsam gelb.
Ha Giang ist kein Städteziel wie Hanoi oder Hoi An, sondern der Ausgangspunkt mit Busbahnhof, Vermietern und Hostels. Die eigentliche Reise spielt sich auf den Strassen dahinter ab, ein Nachtbus ab Hanoi braucht sechs bis acht Stunden. Die Region wirkt rauer als Sapa und weniger hergerichtet, gleichzeitig zählt der Loop zu den meistbefahrenen Strecken im Norden. Er passt zu Reisenden, die Bergstrassen, Hmong-Märkte und einfache Homestays einem Hotelpool vorziehen. Mehr zur Region steht in unserem Nordvietnam-Guide.

Ha Giang auf einen Blick
- Region: Äusserster Norden Vietnams an der Grenze zu China; in unserem Blog Teil von Nordvietnam (Mien Bac)
- Lage: Stadt am Lo-Fluss rund 300 Kilometer nördlich von Hanoi; der Loop steigt von dort auf über 1’500 Meter ins Karstplateau
- Bekannt für: Ha Giang Loop, Ma-Pi-Leng-Pass, Nho-Que-Fluss, Dong Van, Lung-Cu-Flaggenturm und Hmong-Märkte
- Ideale Reisedauer: vier bis fünf Nächte, davon drei bis vier Tage auf dem Loop
- Beste Reisezeit: September bis November und März bis Mai; Buchweizenblüte im Oktober und November
- Geeignet für: Motorradfans, Wanderer, Fotografen und kulturell Interessierte, die abgelegene Bergwelten mögen
Ha Giang hat ein subtropisches Bergklima mit grossen Unterschieden zwischen Tal und Pass. Von Dezember bis Februar wird es oben empfindlich kalt, oft mit einstelligen Temperaturen, Nebel und Nieselregen. März bis Mai bringt trockene, milde Tage, von Juni bis August dagegen Hitze, Regengüsse und Erdrutsche. September bis November gilt wegen klarer Sicht, goldener Reisterrassen und der Buchweizenblüte als beste Zeit. Ins Gepäck gehören deshalb Regenjacke, warme Schichten, Handschuhe und feste Schuhe, selbst im Sommer.
Warum lohnt sich der Ha Giang Loop?
Der Loop zeigt eine Landschaft, die es so nirgends sonst in Vietnam gibt. Graue Kalksteinzähne stehen dicht an dicht bis zum Horizont, Maisfelder klammern sich an Hänge aus Geröll. Tief unten leuchtet der Nho-Que-Fluss dagegen türkis in seiner Schlucht. Dazwischen liegen Dörfer der Hmong, Tay, Dao und Lo Lo, deren Sonntagsmärkte die ganze Umgebung zusammenbringen. Wer abends im Homestay mit der Gastfamilie isst, erlebt zudem einen Alltag, der in den Städten längst verschwunden ist.
Ein Geheimtipp ist der Ha Giang Loop allerdings nicht mehr. In der Hochsaison rollen täglich Hunderte Motorräder in Kolonnen über dieselben Pässe. An bekannten Aussichtspunkten stehst du für ein Foto an, und in Dong Van ersetzen Betonhotels alte Holzhäuser. Dazu kommen Nebel, der tagelang jede Sicht nimmt, und Unfälle unerfahrener Fahrer, die regelmässig im Spital enden. Persönlicher zeigt sich die Region früh am Morgen, auf Nebenstrassen Richtung Du Gia und auf kleinen Wochenmärkten abseits der Hauptroute.
Die schönsten Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse auf dem Ha Giang Loop
Quan-Ba-Himmelstor und die Zwillingsberge
Etwa eine Stunde hinter Ha Giang windet sich die Strasse zum Himmelstor von Quan Ba (Cong Troi Quan Ba) hinauf. Von oben blickst du auf das Tal von Tam Son und auf die Zwillingsberge (Nui Doi). Die zwei runden Hügel schreibt eine Legende einer Fee zu. Hier beginnt das Dong-Van-Karstplateau (Cao Nguyen Da Dong Van), das die UNESCO als ersten Geopark Vietnams anerkannt hat. Weil am Vormittag oft Nebel im Tal hängt, lohnt sich der Halt eher gegen Mittag.
Dong Van: Altstadt, Sonntagsmarkt und Hmong-Königspalast

Dong Van ist der wichtigste Ort des Plateaus und meist das Ziel des zweiten Tages auf dem Ha Giang Loop. In der kleinen Altstadt stehen rund vierzig alte Steinhäuser mit Ziegeldächern, abends brennen dort Laternen vor Cafés und Garküchen. Am Sonntagmorgen verwandelt sich der Marktplatz in einen Treffpunkt für Hmong, Tay, Nung und Hoa. Stoffe, Werkzeuge, Schweine und Hühner wechseln den Besitzer, dazu dampft Thang Co in grossen Kesseln. Komm früh, denn gegen Mittag löst sich der Markt auf.
Rund fünfzehn Kilometer westlich, im Tal von Sa Phin, steht der Hmong-Königspalast (auf Vietnamesisch Dinh Vua Meo). Die Familie Vuong liess ihn Anfang des 20. Jahrhunderts im chinesischen Stil bauen und lenkte von hier den Opiumhandel. Die Anlage ist klein und schnell besichtigt, doch Geschichte und Lage zwischen alten Kiefern lohnen den Umweg.
Lung-Cu-Flaggenturm am nördlichsten Punkt
Rund dreissig Kilometer nördlich von Dong Van markiert der Flaggenturm von Lung Cu (Cot Co Lung Cu) den nördlichsten Punkt Vietnams. Mehrere hundert Stufen führen hinauf zur Plattform, über der eine Flagge von 54 Quadratmetern weht. Die Zahl steht dabei für die 54 ethnischen Gruppen des Landes. Von oben reicht der Blick über Maisfelder, Teiche und Dörfer bis nach China.
Am Fuss des Berges liegt das Dorf Lo Lo Chai mit Lehmhäusern und Homestays. Dort schläfst du ruhiger als in Dong Van. Wie das ganze Plateau ist die Gegend Grenzgebiet: Ausländer brauchen eine Genehmigung, die Hostels und Vermieter für dich beantragen. Kontrollen sind üblich, halte also deine Papiere bereit und lass die Drohne im Rucksack.
Ma-Pi-Leng-Pass und der Skywalk

Zwischen Dong Van und Meo Vac liegt der Ma-Pi-Leng-Pass (Deo Ma Pi Leng), das bekannteste Stück der Runde. Rund zwanzig Kilometer klebt die Strasse an der Felswand, tief unter dir zieht der Nho-Que-Fluss (Song Nho Que) durch seine Schlucht. Zwischen 1959 und 1965 schlugen Arbeiter vieler Volksgruppen diese Strasse des Glücks (Duong Hanh Phuc) weitgehend von Hand in den Fels. Ein kleines Museum am Pass erinnert übrigens daran.
Vom Museum führt der Skywalk etwa einen Kilometer zu Fuss an der Felskante entlang. Am Ende ragt ein Felsvorsprung über den Abgrund und scheint zu schweben. Genau dort stehst du in der Hochsaison für das Foto Schlange, und entlang des Passes verlangen inzwischen mehrere Aussichtsplattformen Eintritt. Die Sicht von der Strasse ist allerdings ebenso gut. Bei Nebel oder Regen bleibt vom Panorama wenig übrig, deshalb plane für diesen Abschnitt einen Reservetag ein.
Bootsfahrt auf dem Nho-Que-Fluss
Eine steile, enge Strasse führt vom Pass hinunter zum Bootssteg am Nho-Que-Fluss. Von dort fahren kleine Motorboote rund eine Stunde durch die Tu-San-Schlucht (Hem Tu San) mit ihren mehrere hundert Meter hohen Felswänden. Wegen eines Staudamms ist das Wasser ruhig und türkis; Schwimmwesten liegen an Bord bereit. Rechne mit vielen Gruppen zur Mittagszeit; am frühen Morgen ist es stiller, und das Licht fällt tiefer in die Schlucht.
Aktivitäten in Ha Giang
Mit dem Easy Rider oder auf dem eigenen Motorrad über den Loop
Die klassische Runde führt von Ha Giang über Quan Ba und Yen Minh nach Dong Van, dann über den Ma-Pi-Leng-Pass nach Meo Vac und über Du Gia zurück. Wer selbst fährt, braucht einen Motorradführerschein und den internationalen Führerschein nach dem Wiener Abkommen von 1968; die deutsche B196-Erweiterung gilt nur im Inland. Polizeikontrollen haben zugenommen, und ohne gültige Papiere zahlt im Unfallfall keine Versicherung. Ohne Fahrpraxis auf Bergstrassen ist ein Easy Rider die bessere Wahl. Du sitzt hinten, ein Fahrer aus der Region kennt jede Kurve, und du schaust auf die Landschaft statt auf Schotter.
Wandern zwischen Karstfeldern und Dörfern
Rund um Du Gia und Lung Cu führen Pfade durch Maisfelder und über Kalksteinrücken in Dörfer der Hmong und Lo Lo. Dort spinnen Frauen vor den Häusern Hanf. Ein lokaler Guide lohnt sich, weil die Wege kaum markiert sind und du so Höfe respektvoll betreten kannst. Nimm genug Wasser, feste Schuhe und eine Regenjacke mit, denn das Wetter kippt in den Bergen schnell.
Essen in Ha Giang
Die Küche im äussersten Norden ist deftig, rauchig und auf die Kälte ausgelegt. Mais spielt eine grössere Rolle als Reis, weil auf dem Karstplateau kaum Nassreis wächst. Vieles findest du nicht in Restaurants, sondern auf Märkten und am Tisch der Homestays.
Thang Co ist der Eintopf der Hmong: Pferdefleisch und Innereien schmoren stundenlang mit Kardamom und Zitronengras in einem grossen Kessel. Die Leute essen ihn auf dem Markt an niedrigen Tischen; der Geruch ist kräftig, der Geschmack für viele gewöhnungsbedürftig. Sanfter ist hingegen Chao Au Tau, ein Reisbrei mit der bitteren Knolle der Au-Tau-Pflanze, Schweinefüssen und Kräutern. In Ha Giang gilt er als wärmende Abendmahlzeit.
Men Men besteht aus fein gemahlenem, zweimal gedämpftem Mais und ersetzt in vielen Hmong-Familien den Reis. Dazu gibt es Tau Chua, eine leichte Sojasuppe. Banh Tam Giac Mach ist ein flacher, leicht süsslicher Kuchen aus Buchweizenmehl, den Marktfrauen im Herbst warm vom Grill anbieten. Thit Trau Gac Bep, über der Feuerstelle geräuchertes Büffelfleisch mit Mac-Khen-Pfeffer, kommt in dünnen Streifen zum Maiswein auf den Tisch.
Ruou Ngo, der Maiswein, gehört in fast jedem Homestay zum Abendessen. Er ist klar und stark, und die Gastgeber schenken ihn mit Trinkspruch in kleinen Gläsern aus. Halte dich daher am Vorabend einer Fahrt zurück. Als Dessert passen an kalten Abenden Thang Den, Klebreisbällchen in warmem Ingwersirup.
Fazit: Lohnt sich der Ha Giang Loop?
Ja, der Ha Giang Loop lohnt sich für Reisende, die Bergstrassen, Karstlandschaften und den Alltag der Hmong einem Hotelpool vorziehen. Dafür nehmen sie Kälte, Nebel und einfache Betten in Kauf. Vier bis fünf Nächte reichen für die Runde, eine Nacht in Ha Giang vor dem Nachtbus und einen Puffer fürs Wetter. Am stärksten bleibt nicht ein einzelner Aussichtspunkt in Erinnerung, sondern die Fahrt selbst. Morgennebel im Tal, Maisfelder zwischen grauem Fels und abends Maiswein am Tisch der Gastfamilie.
