Altes Haus von Binh Thuy in Can Tho mit historischer Fassade und tropischem Garten

Can Tho: Frühe Boote und grüne Kanäle im Mekongdelta von Vietnam

Um fünf Uhr morgens liegt der Hau-Fluss noch im Dunkeln, doch die ersten Dieselmotoren tuckern schon. Wer in Can Tho Vietnam vom Wasser aus erleben will, steht deshalb früh auf. Eine Frau ruft von Boot zu Boot, dann färbt sich der Himmel langsam orange. Zwischen den Frachtkähnen tauchen Ananasberge, Kürbisse und kleine Kaffeeboote auf. Über dem Wasser hängt der Geruch von Rauch, Kaffee und gebratenem Fisch.

Can Tho ist die grösste Stadt im Mekongdelta, dazu Universitätsstadt, Handelsplatz und Verkehrsknoten der Region. Wer eine historische Altstadt oder Strände sucht, findet hier wenig, denn die Stadt lebt vom Fluss, von Kanälen und Obstgärten. Verglichen mit Ho-Chi-Minh-Stadt geht es gelassener zu, verglichen mit den kleinen Orten des Deltas deutlich städtischer. Deshalb eignet sich Can Tho als Basis für zwei bis drei Tage im Mekongdelta. Besonders passt die Stadt zu Reisenden, die den Alltag am Wasser sehen wollen.

Can Tho am Hau-Fluss im Morgenlicht mit Booten und Skyline
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Can Tho auf einen Blick

  • Region: Herz des Mekongdeltas im Süden Vietnams; in unserem Blog Teil von Mekongdelta (Mien Tay)
  • Lage: am Hau-Fluss (Song Hau), einem Hauptarm des Mekong, rund 170 Kilometer südwestlich von Ho-Chi-Minh-Stadt; eigener Flughafen mit Inlandsflügen
  • Bekannt für: Cai-Rang-Markt, Kanalfahrten im Sampan, Ninh-Kieu-Promenade, Obstgärten von Phong Dien und die Küche des Deltas
  • Ideale Reisedauer: zwei bis drei Nächte
  • Beste Reisezeit: Dezember bis April; für die Obstgärten Mai bis August
  • Geeignet für: Food-Liebhaber, Familien, Fotografen und Reisende, die Alltag statt grosser Sehenswürdigkeiten suchen

Das Klima ist tropisch und das ganze Jahr über warm, mit zwei klaren Jahreszeiten. Von Dezember bis April bleibt es meist trocken, wobei März und April drückend heiss werden. Von Mai bis November fallen fast täglich kurze, heftige Schauer, meist am Nachmittag, dafür sind die Gärten dann am grünsten. Taifune erreichen das Delta selten, doch von September bis November steht das Wasser in Feldern und Kanälen hoch. Ins Gepäck gehören deshalb leichte Kleidung, ein Regenschutz, Sonnenhut und Mückenspray.

Warum lohnt sich Can Tho?

Can Tho bündelt das Delta auf engem Raum. Am Morgen schaukelst du zwischen Händlerbooten, mittags pflückst du Rambutan vom Baum, und abends isst du gegrillten Fisch am Fluss. Deutlicher als Saigon oder Hanoi zeigt Can Tho Vietnam als Land, das mit dem Wasser lebt. Häuser stehen auf Pfählen, kleine Fähren ersetzen Brücken, und der wichtigste Markt findet auf dem Fluss statt.

Dabei ist Can Tho keine Schönheit: Das Zentrum besteht aus breiten Strassen, Betonbauten und viel Verkehr. Ausserdem ist der Schwimmende Markt nur noch ein Teil dessen, was er einmal war. Zudem dauert die Busfahrt ab Ho-Chi-Minh-Stadt über die Schnellstrasse rund drei bis vier Stunden. Tagesausflüge aus der Metropole Südvietnams bleiben deshalb hektisch. Persönlicher zeigt sich die Stadt früh am Morgen auf dem Wasser, in den Gassen hinter dem Ufer und draussen in den Dörfern.

Can Tho in Vietnam: die schönsten Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse

Cai-Rang-Markt: Frühstück zwischen Händlerbooten

Der Cai-Rang-Markt (Cho Noi Cai Rang) liegt eine halbe Bootsstunde vom Ninh-Kieu-Ufer entfernt. Grosse Kähne verkaufen hier ganze Ladungen Kürbisse, Süsskartoffeln und Ananas an kleinere Boote, die sie in die Dörfer bringen. An einer Bambusstange, auf Vietnamesisch Cay Beo, hängt jeweils das Produkt, das ein Boot gerade anbietet. Dazwischen paddeln Frauen mit Kaffee und Hu Tieu von Boot zu Boot, und du frühstückst mit Blick auf den Handel.

Ehrlich gesagt hat der Markt viel von seinem Glanz verloren. Neue Strassen, Brücken und Supermärkte verlagern den Handel ans Ufer, und die Jungen suchen Jobs an Land. Heute liegen hier nur noch etwa halb so viele Boote wie in den Neunzigerjahren. Nach sieben Uhr überwiegen zudem Touristenboote mit orangefarbenen Schwimmwesten, während viele Händler schon zusammenpacken.

Komm deshalb zwischen fünf und halb sieben, wenn die Händler noch unter sich sind. Buche ein kleines Boot direkt am Ufer und rechne mit Rauch, Motorlärm und Abfall im Wasser. Der kleinere Phong-Dien-Markt weiter oben am Kanal ist in den letzten Jahren noch stärker geschrumpft.

Cai-Rang-Schwimmender Markt in Can Tho mit Händlerbooten, Obst und Gemüse
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Ninh-Kieu-Promenade, Fussgängerbrücke und Nachtmarkt

Am Abend trifft sich die Stadt am Ninh-Kieu-Ufer (Ben Ninh Kieu). Familien schieben Kinderwagen unter Laternen, Paare fotografieren sich auf der beleuchteten Fussgängerbrücke in Lotusform, und vom Wasser her leuchten Ausflugsschiffe. Ein paar Schritte weiter beginnt der Nachtmarkt mit Grillspiessen, Meeresfrüchten und Kleidung, wo es laut, eng und ziemlich touristisch wird. Wer es ruhiger mag, setzt sich dagegen mit einem Zuckerrohrsaft ans Geländer und schaut den Fähren zu.

Altes Haus von Binh Thuy und Ong-Pagode

Einige Kilometer nördlich des Zentrums steht das Alte Haus von Binh Thuy, auf Vietnamesisch Nha Co Binh Thuy. Eine Kaufmannsfamilie liess es um 1870 errichten und um 1911 in seiner heutigen Form vollenden. Französische Rundbögen und gemusterte Fliesen treffen dort auf dunkle Holzaltäre, Ahnenbilder und Orchideen im Hof. Der Film «Der Liebhaber» nutzte das Haus 1992 als Kulisse, und bis heute lebt die Familie darin. Verhalte dich deshalb leise und frag, bevor du fotografierst.

Zurück im Zentrum hängen in der Ong-Pagode (Chua Ong) grosse Räucherspiralen von der Decke. Chinesische Einwanderer bauten den Tempel Ende des 19. Jahrhunderts und weihten ihn dem Kriegsgott Quan Cong. Rauch, rote Laternen und Keramikfiguren auf dem Dach machen den kleinen Bau zu einem stimmungsvollen Halt vor dem Nachtmarkt. Bedecke Schultern und Knie und halte Abstand, wenn Menschen vor den Altären beten.

Obstgärten, Kakao und Reisnudeln rund um Phong Dien

Südwestlich der Stadt beginnt das Land der Obstgärten. In Phong Dien pflückst du Rambutan, Longan oder Mangostan direkt vom Baum und isst sie im Schatten am Kanal. Auf einer kleinen Familienfarm siehst du zudem, wie Kakaobohnen fermentieren, trocknen und von Hand zu Schokolade werden. Nahe dem Cai-Rang-Markt zeigen Werkstätten ausserdem, wie aus Reismehl hauchdünne Fladen entstehen. Sie trocknen in der Sonne, danach schneidet eine Maschine sie zu Nudeln.

Das bekannte Touristendorf My Khanh bündelt Gärten, Restaurants und Bootsstege an einem Ort. Es ist bequem für Familien, doch Schweinerennen und Fotokulissen wirken inszeniert, und an Wochenenden wird es voll. Kleinere Gärten in der Nachbarschaft sind ruhiger, und die Werkstätten arbeiten fast immer nur am Morgen. Prüfe zudem die Saison, denn von Mai bis August hängen die Bäume voll, im Dezember dagegen kaum.

Obstgarten bei Phong Dien mit Kanal, Velo und tropischer Vegetation
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Can-Tho-Brücke und das Leben am Wasser

Die Can-Tho-Brücke (Cau Can Tho) spannt sich seit 2010 über den Hau-Fluss und ersetzt die alten Fähren nach Norden. Nachts leuchten ihre Seile über dem Fluss. Spannender als das Bauwerk ist allerdings, was darunter passiert. Sandkähne fahren dicht an dicht, Fischer kontrollieren ihre Netze, und an den Ufern stehen Häuser auf Pfählen. Miete ein Velo und fahre durch die Vororte, wo Kinder von Stegen ins Wasser springen.

Aktivitäten in Can Tho

Mit dem Sampan durch die kleinen Kanäle

Nach dem Markt lohnt sich der Abstecher in die schmalen Kanäle hinter Cai Rang. Dort rudert eine Bootsführerin den Sampan unter Nipa-Palmen hindurch, vorbei an Stegen und Küchenfenstern. Der Motorlärm des Flusses bleibt dabei zurück, und du hörst nur noch Wasser und Vögel. Wähle ein Ruderboot ohne Motor und kläre vorher Route, Dauer und Preis. Trag die Schwimmweste, halte die Hände im Boot, und bei Gewitter bleibst du besser an Land.

Eine Nacht im Homestay auf dem Land

Auf dem Land erlebst du rund um Can Tho Vietnam ohne Kulisse. In den Dörfern von Phong Dien vermieten Familien einfache Zimmer zwischen Obstbäumen und kochen abends mit dir. Morgens leihen sie dir ein Velo, und du radelst über Betonwege, die kaum breiter sind als dein Lenker. Die winzigen Brücken ohne Geländer verlangen dabei etwas Übung, also fahr langsam und bleib nach Einbruch der Dunkelheit im Haus. Rechne ausserdem mit Mücken, Fröschen und einem Hahn, der um vier Uhr kräht.

Essen in Can Tho

Die Küche des Deltas ist grosszügig, leicht süsslich und stark von Fluss und Garten geprägt. Fisch kommt aus Kanälen und Zuchtteichen, Kräuter wachsen hinter dem Haus, und Kokosmilch landet in vielen Gerichten. Am Tisch lernst du in Can Tho Vietnam von seiner ländlichen Seite kennen, denn viele Rezepte stammen aus den Dörfern.

Banh Cong ist ein frittiertes Küchlein aus Reis- und Mungbohnenteig mit einer ganzen Crevette obenauf. Du wickelst es in Salatblätter und tunkst es in Fischsauce. Lau Mam, der Hotpot mit fermentiertem Fisch, riecht kräftig und schmeckt tief. In die Brühe kommen Schweinebauch, Crevetten, Auberginen und ein Berg Gemüse aus dem Delta. Für Ca Loc Nuong Trui spiessen die Köche einen Schlangenkopffisch auf einen Stock und garen ihn in brennendem Reisstroh.

Nem Nuong Cai Rang sind gegrillte Röllchen aus Schweinehack, die du mit Kräutern, grüner Banane und Sternfrucht in Reispapier wickelst. Banh Xeo fällt im Süden grösser und dünner aus als in Zentralvietnam, gefüllt mit Crevetten, Schweinefleisch und Sojasprossen. Hu Tieu, die klare Nudelsuppe mit Schweinefleisch, Poulet oder Meeresfrüchten, gibt es an jeder Ecke, auch morgens auf dem Wasser. Dazu gehören immer Kräuter, Limette und Chili, die du selbst dosierst.

Am besten isst du dort, wo es keine Speisekarte auf Englisch gibt. Das sind Garküchen in den Gassen hinter dem Ufer, der Nachtmarkt oder das Boot am frühen Morgen. Obst kaufst du am Strassenrand nach Gewicht, wobei du den Preis vorher klärst. Zum Schluss passt Che, eine süsse Suppe aus Kokosmilch, Bohnen und Tapioka, oder Kokosglace in einer halben Kokosnuss. Ein Glas frischer Zuckerrohrsaft (Nuoc Mia) mit Kumquat kühlt dich zwischendurch ab.

Fazit: Lohnt sich Can Tho?

Ja, Can Tho lohnt sich für Reisende, die den Alltag am Wasser sehen und dafür früh aufstehen wollen. Die Stadt selbst ist dabei unspektakulär, doch ihr Umland nicht. Zwei bis drei Nächte reichen für den Markt, eine Kanalfahrt, die Obstgärten und einen Abend an der Promenade. Am stärksten in Erinnerung bleibt ein Moment: Kaffee auf dem Boot, während die Sonne über den Händlerkähnen aufgeht.